„Neger Kalle“: Wer hinter dem früheren Spitznamen steckt

Wolfgang Bauer
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Autor: Wolfgang Bauer

Wer nach „Neger Kalle“ sucht, meint in der Regel Karl-Heinz „Kalle“ Schwensen. Der 1953 geborene Unternehmer wurde über Jahrzehnte als eine der bekannten Figuren des Hamburger Kiezes und von St. Pauli wahrgenommen.

Die historische Bezeichnung im Suchbegriff ist heute jedoch nicht einfach ein gewöhnlicher Spitzname. Sie enthält eine rassistisch und abwertend verstandene Bezeichnung für Schwarze Menschen. Schwensen selbst ging deshalb bereits vor vielen Jahren juristisch gegen ihre weitere Verwendung vor.

Für aktuelle Texte ist Kalle Schwensen oder Karl-Heinz Schwensen deshalb die passende Bezeichnung. Der alte Name ist vor allem noch relevant, wenn erklärt werden soll, warum ältere Medienberichte, Filme oder Suchanfragen ihn enthalten.

Wer ist Kalle Schwensen?

Karl-Heinz „Kalle“ Schwensen wurde am 30. August 1953 in Selb in Oberfranken geboren. Sein Vater war ein afroamerikanischer US-Soldat, seine Mutter Deutsche.

Als Jugendlicher betrieb Schwensen Amateurboxen. Später zog es ihn nach Hamburg. Dort arbeitete er zunächst unter anderem als Kellner und gelangte schließlich immer stärker in die Hamburger Nachtleben- und Kiezszene.

Besonders mit St. Pauli, der Reeperbahn und dem damaligen Rotlichtmilieu wurde sein Name verbunden. Schwensen betrieb beziehungsweise leitete verschiedene Lokale und war auch in anderen geschäftlichen Bereichen tätig.

Seine dunkle Pilotenbrille und sein Schnauzbart entwickelten sich dabei zu auffälligen Markenzeichen.

MerkmalAngabe
Vollständiger NameKarl-Heinz Schwensen
Bekannter NameKalle Schwensen
Geburtsdatum30. August 1953
GeburtsortSelb, Oberfranken
Alter im September 202673 Jahre
Bekannt durchHamburger Kiez, St. Pauli, Nachtleben und Medien
Weitere TätigkeitenUnternehmer, Clubbetreiber, Boxumfeld und Medienauftritte

Warum wurde Kalle Schwensen früher so genannt?

Der heute problematische Beiname wurde Schwensen in früheren Jahrzehnten im Hamburger Umfeld zugeschrieben und anschließend auch von Medien verwendet.

Dadurch verbreitete sich die Bezeichnung weit über St. Pauli hinaus. Ältere Zeitungsartikel, Unterhaltungssendungen und andere Veröffentlichungen trugen dazu bei, dass Menschen den Namen bis heute mit Schwensen verbinden.

Das erklärt auch, warum der Ausdruck weiterhin bei Suchmaschinen eingegeben wird.

Seine historische Bekanntheit bedeutet jedoch nicht, dass der Begriff heute als normaler Spitzname behandelt werden sollte.

Schwensen ließ bereits in den 2000er-Jahren deutlich machen, dass er bei seinem richtigen Namen genannt werden möchte und den alten Beinamen als diskriminierend betrachtet.

Warum ist die Bezeichnung heute problematisch?

Das im früheren Spitznamen enthaltene Wort gilt im heutigen deutschen Sprachgebrauch als rassistisch und abwertend.

Auch bei Kalle Schwensen ist dies nicht nur eine allgemeine sprachliche Bewertung. Die Frage wurde Gegenstand eines konkreten Rechtsstreits.

Das Landgericht Hamburg beschäftigte sich 2007 mit Veröffentlichungen, in denen Schwensen weiterhin mit dem früheren Beinamen bezeichnet wurde. Das Gericht wertete die Bezeichnung in diesem Zusammenhang als abwertend und als Eingriff in sein allgemeines Persönlichkeitsrecht.

Schwensen hatte zuvor ausdrücklich verlangt, dass Medien die diskriminierende Bezeichnung nicht weiter für ihn verwenden.

Deshalb ist es sinnvoll, zwischen zwei Situationen zu unterscheiden: Bei einer historischen Erklärung der konkreten Suchphrase kann die alte Bezeichnung notwendig sein, damit Leser verstehen, worum es geht. Als heutiger Name für die Person sollte dagegen Kalle Schwensen verwendet werden.

Wie wurde Kalle Schwensen auf dem Hamburger Kiez bekannt?

Schwensens Geschichte ist eng mit dem Hamburger Nachtleben der 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahre verbunden.

Nachdem er nach Norddeutschland gekommen war, arbeitete er in der Gastronomie und übernahm schon in jungen Jahren Verantwortung in Hamburger Lokalen. Später wurde er auf St. Pauli zu einer öffentlich bekannten Figur.

Unter anderem war Schwensen Betreiber des Top Ten Club. Sein Name wurde gleichzeitig mit Geschäften rund um das damalige Rotlichtmilieu verbunden.

Diese Zeit des Hamburger Kiezes war wesentlich rauer als das touristisch geprägte Bild, das viele Besucher heute von der Reeperbahn kennen. Verschiedene Gruppen, Geschäftsleute und Personen aus dem Milieu kämpften damals um Geld, Einfluss und Macht.

Schwensens Biografie enthält deshalb nicht nur Unterhaltungsgeschichte. Sie überschneidet sich auch mit der Hamburger Kriminalgeschichte.

1989 wurde er vom Landgericht Hamburg zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schwensen gemeinsam mit zwei weiteren Männern an der Beschaffung einer Waffe für Werner Pinzner beteiligt gewesen war. Schwensen bestritt seine Beteiligung.

Diese historische Einordnung ist wichtig, weil die spätere Medienfigur Kalle Schwensen ohne die Geschichte des damaligen St.-Pauli-Milieus nur schwer zu verstehen ist.

Was geschah beim Attentat auf Kalle Schwensen 1996?

Eines der bekanntesten Ereignisse seines Lebens ereignete sich am 23. August 1996.

Schwensen wurde in einem Restaurant im Hamburger Mittelweg angeschossen. Zwei Kugeln trafen ihn am Oberkörper.

Bundesweit bekannt wurde anschließend besonders ein Foto aus der Situation nach dem Angriff. Schwensen lag auf einer Trage, trug seine typische Sonnenbrille und zeigte mit der Hand das Victory-Zeichen.

Das Bild passte zu seinem bereits bestehenden öffentlichen Image und wurde von Boulevardmedien stark verbreitet.

Der Vorfall gehört deshalb bis heute zu den am häufigsten erwähnten Ereignissen seiner Biografie.

Wie kam Kalle Schwensen ins Fernsehen und Musikgeschäft?

Mit der Zeit entwickelte sich Schwensen von einer hauptsächlich mit dem Hamburger Kiez verbundenen Person auch zu einer Medienfigur.

Er übernahm kleinere Rollen und Gastauftritte in Film und Fernsehen. Dazu gehörten unter anderem Doppelter Einsatz, Dittsche und später weitere Unterhaltungsformate.

1998 spielte er im Fernsehfilm Das Miststück sogar eine Rolle, die nach seinem damaligen Beinamen benannt war. Das zeigt, wie selbstverständlich die Bezeichnung in Teilen der Medien zu dieser Zeit noch verwendet wurde.

Eine weitere Verbindung zur deutschen Popkultur entstand durch die Hamburger Hip-Hop-Gruppe Fünf Sterne deluxe. Schwensen wirkte im Umfeld des Musikvideos zu „Dein Herz schlägt schneller“ mit.

Besondere Aufmerksamkeit bekam er außerdem durch Tic Tac Toe. Er war an der Wiedervereinigung der Girlgroup beteiligt und fungierte während ihres Comeback-Versuchs als Manager. Nach der erneuten Auflösung der Gruppe im Januar 2007 endete diese Aufgabe.

Später trat Schwensen weiterhin in unterschiedlichen Medienformaten auf. 2023 war er beispielsweise in Manta Manta – Zwoter Teil zu sehen.

Auch die Fußballsendung Kalles Halbzeit im Verlies, die sich vor allem mit Hamburger Amateurfußball beschäftigt, wurde mit ihm verbunden und noch 2026 im Programm von Hamburg 1 geführt.

Was macht Kalle Schwensen heute?

Kalle Schwensen ist auch Jahrzehnte nach seiner bekanntesten Kiezzeit öffentlich präsent.

Neuere dokumentierte Auftritte zeigen ihn weiterhin bei Veranstaltungen in Hamburg. Im Mai 2025 besuchte er beispielsweise das OMR-Festival in den Hamburger Messehallen und sprach dort darüber, dass er regelmäßig zu der Veranstaltung komme.

Auch im Juli 2025 wurde Schwensen bei öffentlichen Veranstaltungen in Hamburg fotografiert.

Daneben wird sein Name weiterhin mit St. Pauli, Veranstaltungen, Kiezgeschichten und dem Format Kalles Halbzeit im Verlies verbunden.

Eine pauschale Beschreibung wie „heutiger Beruf“ würde seiner Laufbahn deshalb nur begrenzt gerecht. Seine öffentliche Rolle besteht aus verschiedenen Bereichen wie Veranstaltungen, Unterhaltung, Medien und seiner langjährigen Verbindung zum Hamburger Kiez.

Nicht jede im Internet veröffentlichte Behauptung über sein Vermögen, Einkommen oder Privatleben ist dagegen zuverlässig bestätigt. Besonders bei solchen Angaben sollten konkrete Zahlen nicht ohne belastbare Belege übernommen werden.

Warum suchen Menschen noch heute nach dem alten Spitznamen?

Dafür gibt es vor allem einen historischen Grund.

Der Ausdruck wurde über viele Jahre in Presseartikeln, Unterhaltungssendungen und anderen Veröffentlichungen benutzt. Wer ältere Geschichten über den Hamburger Kiez gesehen oder gelesen hat, erinnert sich daher möglicherweise eher an diesen Namen als an Karl-Heinz Schwensen.

Suchmaschinen erhalten solche älteren Begriffe zusätzlich über lange Zeit am Leben. Menschen sehen eine historische Bezeichnung, suchen danach und verstärken dadurch wiederum ihre Sichtbarkeit.

Für Leser entsteht dabei schnell ein Missverständnis: Ein häufiger Suchbegriff ist nicht automatisch eine heute akzeptable Personenbezeichnung.

Im Fall von Schwensen ist die Lage besonders deutlich, weil sein Wunsch, nicht mehr mit dem alten Namen bezeichnet zu werden, seit vielen Jahren öffentlich dokumentiert ist.

Wer aktuelle Informationen über ihn sucht, findet mit Kalle Schwensen oder Karl-Heinz Schwensen die sachlich bessere Suchform.

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Häufige Fragen zu Kalle Schwensen

Wer ist mit „Neger Kalle“ gemeint?

Mit der historischen Suchphrase ist normalerweise Karl-Heinz „Kalle“ Schwensen gemeint, eine bekannte Person aus der Geschichte des Hamburger Kiezes.

Wie heißt Kalle Schwensen richtig?

Sein vollständiger Name lautet Karl-Heinz Schwensen. Öffentlich ist er vor allem als Kalle Schwensen bekannt.

Wie alt ist Kalle Schwensen?

Kalle Schwensen wurde am 30. August 1953 geboren und ist im September 2026 73 Jahre alt.

Woher kommt Kalle Schwensen?

Er wurde in Selb in Oberfranken geboren. Später zog er nach Norddeutschland und wurde vor allem durch seine Verbindung zu Hamburg und St. Pauli bekannt.

Warum möchte Kalle Schwensen nicht mit seinem alten Spitznamen bezeichnet werden?

Die Bezeichnung enthält einen rassistisch und diskriminierend verstandenen Ausdruck. Schwensen ging bereits vor vielen Jahren juristisch gegen dessen weitere Verwendung vor.

Wurde Kalle Schwensen wirklich angeschossen?

Ja. Am 23. August 1996 wurde er in einem Hamburger Restaurant von zwei Kugeln getroffen. Bilder von ihm auf einer Trage mit Sonnenbrille und Victory-Zeichen wurden anschließend deutschlandweit bekannt.

War Kalle Schwensen Manager von Tic Tac Toe?

Ja. Schwensen war an der Wiedervereinigung von Tic Tac Toe beteiligt und arbeitete während des Comebacks der Gruppe als Manager. Diese Phase endete mit der erneuten Auflösung der Band im Januar 2007.

Fazit: Hinter der Suchphrase steht Kalle Schwensen

Hinter der Suche nach „Neger Kalle“ steckt Karl-Heinz „Kalle“ Schwensen, geboren am 30. August 1953 und seit Jahrzehnten eine bekannte Figur der Hamburger Kiezgeschichte.

Sein Leben verbindet St. Pauli, Nachtleben, Boxsport, Kriminalgeschichte, Musik und Fernsehen. Besonders bekannt wurden sein öffentliches Auftreten, der Anschlag von 1996, seine Arbeit mit Tic Tac Toe und zahlreiche spätere Medienauftritte.

Der frühere Beiname ist Teil dieser Geschichte, sollte aber nicht mit seinem heutigen Namen verwechselt werden. Er enthält eine diskriminierende Bezeichnung, gegen deren Verwendung Schwensen ausdrücklich vorgegangen ist.

Wer aktuelle oder weitere Informationen über ihn sucht, sollte daher nach Kalle Schwensen oder Karl-Heinz Schwensen suchen. So lässt sich seine Biografie sachlich einordnen, ohne eine überholte und abwertende Bezeichnung unnötig weiterzuverwenden.

Wolfgang Bauer ist ein deutscher Autor bei newztribune.de, wo er mit langjähriger journalistischer Erfahrung über aktuelle Ereignisse aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft berichtet. Sein Schreibstil ist sachlich und fundiert, wodurch er komplexe Zusammenhänge klar und verständlich darstellt. Wolfgang legt großen Wert auf gründliche Recherche und eine ausgewogene Perspektive, um seinen Leserinnen und Lesern verlässliche Nachrichten und tiefgehende Einblicke zu bieten.
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